U r m e r s b a c h

(Das Wappen von Urmersbach, eigenes Repro)

- In der Geschichte der Gemeinde gestöbert -
Werner Schumacher

Unter Heimweh nach dem Heimatort zu leiden, dafür muss man nicht unbedingt meilenweit entfernt von ihm leben, dafür genügt es manchmal schon, wenn man den vertrauten Kirchturm nicht ständig vor Augen hat.
So geht es beispielsweise dem gebürtigten Urmersbacher, Alfons Bohl, der zwar nur wenige Kilometer entfernt in Reudelsterz wohnt, trotzdem aber Heimweh nach seinem geliebten Heimatort Urmersbach hat. Diese Heimweh schreibt er sich in gekonnten Versen von der Seele und die Gedichte die daraus entstehen, besingen Urmersbach, den Ort wo seine Wiege stand.
Eines dieser Gedichte hat er mir freundlicher Weise, zur Einstimmung auf meinen Bericht zur Vergangenheit Urmersbachs, zur Verfügung gestellt:

Urmersbach, unvergessene Heimat

Schon ewig fließt der kleine Bach der Heimat zu
durch grüne Wiesen, die da ruh'n in Gottes Garten,
vorbei an Mühlen, die längst stille steh'n
und auf einen neuen Anfang warten.

Wo Schäfers Herden zogen einst, durch's stille Tal
und an den Ufernbogen Blumen blüh'n
wo Eulen plaudern in die stille Nacht,
und so verschlafen steht manch alt Gemäuer

Wo Sankt Andreas hält schon ewig treue Wacht,
Und Erlen leuchten wenn der Wind sie küsst
da ist die Heimat - Sei gegrüßt

Wo das Licht der Eifel glüht,
Eifelgold schmückt Hang und Rain,
und der Mohn im Garten blüht,
Blumenduft in Feld und Hain,

Wo das Blut der Erde fließt durch der Häusermitte,
Lieder klingen durch das Tal stets nach alter Sitte
wenn die Abendglocken läuten und das Tal
hüllt sich in Schweigen,

Leute vor dem Hause sitzen, Kinder spiel'n im Reigen
da ist die Heimat - Sei gegrüßt
dort wo im Moos versteckt die alten Jugendträume,
der Stamm und Wurzeln meiner Ahnen längst verdorrt,
da sitz ich gern im Schatten alter Bäume,
du Urmersbach, du bist und bleibst mein Heimatort!

(Foto unten: "Urmersbach" by Reiner Weber)

Wappen
Urmersbach symbolisiert in seinem, von Jakob Burkhard Krämer, entworfenen Wappen, durch das Schragenkreuz seinen kirchlichen Schutzpatron, den hl. Andreas und durch zwei gekreuzte Ähren werden mit der einen die Landwirtschaft und mit der anderen das Müllerhandwerk symbolisiert, beides über Jahrhunderte hinweg die Existenzgrundlage für die hier lebende Bevölkerung.

Lage
Geografisch liegt der Ort auf 7,08° östlicher Länge und 50,16° nördlicher Breite, auf ca. 400 m über NN, beiderseits des Steil- bzw. Urmersbaches, in der Osteifel, an der nordöstlichen Grenze des Landkreises Cochem-Zell zum Landkreis Mayen-Koblenz.

Ortsname und -ursprung
Die Nachsilbe "bach" weist eigentlich auf eine Gründung des Ortes in der Zeit der späten germanischen Landnahme, etwa ab dem 8. Jh. n. Chr., hin. Damals begannen die fränkischen Siedler, nachdem sie bereits die fruchtbaren Teile unseres Heimatgebietes besiedelt hatten, auch die Wälder in den unwirtschaftlichen Gegenden zu roden um dort neue Siedlungen zu gründen. Neben den Siedlungsnamen mit den Endungen "-rath", und "rod" von "roden", erhalten die kleineren, an Bachläufen liegenden Rodungsdörfer etwa ab dem 10./11. Jh. oft die Endung "bach", die auf das germanische Grundwort "baki" bzw. "bakja" zurückzuführen ist.
Welche Bedeutung dass der Endung vorgestellte Wort "Urmers" hat, konnte ich nicht mit Sicherheit feststellen. Sicher scheint aber zu sein, dass der Ort nicht den Namen des durch ihn fließenden Bach "Urmersbach" angenommen hat, denn dieser heißt von seiner Quelle, im Masburger Distrikt "Sauerland", an "Steilbach" (verschiedentlich auch als "Stellbach" bzw. "Steinbach" bezeichnet), wird in der Gemarkung von Urmersbach "Urmersbach" und in seinem weiteren Lauf "Dürr-" oder "Thürelz" genannt.
Eine These, aber reine Spekulation, sei mir gestattet: vielleicht kann man "Urmers" auf des spätlateinische "orminetum" = Ulmenpflanzung zurückführen; dann wäre Urmersbach als "der Ort am Bach, an dem die Ulmen wachsen" zu deuten.

Einwohner und Gemarkung
Die älteste Zahl aus der man die Einwohnerzahl ermitteln kann, stammt aus dem Jahre 1612, wo 11 incloea = Familien genannt werden, was ca. 70 Einwohnern entspricht. 1784 zählt der Ort 233, 1910 = 508, 1939 = 471, 1950 = 465 Einwohner. Am 31. Dez. 1999 lebten in Urmersbach in 229 Familien 510 Menschen, davon 261 weiblich und 249 männlich.
1787 wird die Gemarkungsgröße mit 361 ha und 1789 mit 623 Morgen Land angegeben. 1925 werden 433 ha genannt und heute ist die Gemarkung 434 ha groß.

Urkunden die Urmersbach erwähnen:
1253 vermacht, Elias von Eltz, Domherr zu Trier und Stiftsherr in Münstermaifeld, der Agnes, einer Tochter seines Oheims, Elyas, zur ehelichen Ausstattung Güter "zu Urmischbach", das ist übrigens die älteste bekannte Urkunde, in der Urmersbach erwähnt wird.
1323 enthält das Verzeichnis des Ritters Heinrich zu Eltz über seine Besitzverhältnisse, u.a. Güter zu Urmersbach
1338 erteilt Kaiser Ludwig der Bayer, dem Grafen Ruprecht von Virneburg die Ermächtigung, in den vom Reiche lehensrührigen Dörfern (u.a. auch Urmersbach) Schultheissen "von wegen des Reiches und seiner selbst" einzusetzten, "damit sie eyenen scholteissen billich toen sol by unsen und des ryches hulden"
1367 trug Dietrich von von Ulmen seinen Hof im Freigericht Urmersbach dem Grafen Johann III. von Sponheim zum Lehen auf.
1393 werden kurtrierische Leibeigene in Urmersbach genannt
1521 besaß das Kloster Stuben einen Hof in Urmersbach, Verpachtungen sind 1521 und 1665 erwähnt, die Hofrechte 1571 aufgezeichnet.
1571 wird der Schuweracker Hof als "Urmersbacher Hof" des Haust von Ulmen erwähnt.
1574 nach einem Weistum besaßen Kurtrier und die "Edlen Erben von Polch" das "hohe geding" = Hochgerichtsrechte in Urmersbach
1640 erinnern Heimburge (Bürgermeister) und Geschworene zu Polch an die Abgabeverpflichtungen Urmersbachs zugunsten des Polcher Gerichtsboten.
1710 klagt Urmersbach gegen die Anzahl der Polcher Teilnehmer am Gerichtstag in Urmersbach, weil die Urmersbacher diese und ihre Pferde verpflegen muss.

Die Herren und Grundbesitzer, Mühlen im Mittelalter
Wer Rechte in Urmersbach besaß und/oder Grundbesitzer war, erkennt man daran, an wen die Bevölkerungen Abgaben jedweder Art zu leisten hatte. Und mit Abgaben waren die Urmersbacher "reich gesegnet".
Da war einmal der "Adelige-Erben-Dingtag zu Polch", auch "Polcher Märker" genannt, eine Erbengemeinschaft aus Nachkommen, ehemals in Polch ansässiger adeliger Grundbesitzer, und zwar für den Teil Urmersbachs, der, wie ein Weistum es beschreibt "auf Polcher Eigen stat". Andere Abgabenverpflichtungen bestanden für "die Pfarrkirch zu Polch", die "Gemeindt zu Polch"; das Adelige Nonnenkloster auf der Moselinsel Stuben bei Bremm zog Zehntabgaben und Kurmut (= Abgabe die der Erbe eines Lehensnehmers zahlen musste, damit das Lehensgut auf ihn überging), und das Kollegiatstift in Karden war Zehntherr des Teils von Urmersbach "der auf Masburger Kirchspiels Seite liegt", Angehörige des Grafenhauses derer von und zu Eltz bekamen Einkünfte aus dem "Eltzer Hoff" und die Kirchen zu "Dünchenheim" und zu "Callebohr" waren ebenfalls zu bedienen. Die Herrn von Pützfeld hatten Einnahmen aus Urmersbach und an die Stadt Kaisersesch mussten Abgaben geleistet werden, die zum Bau und der Unterhaltung von Stadtmauern und -türmen beitrugen.

Selbstverständlich kamen dazu noch erhebliche Zahlungen, die von den kurfürstlichen Oberämtern Cochem und später Mayen eingezogen wurden und für den Landesherren, den Erzbischof und Kurfürsten zu Trier, bestimmt waren.
So entnehmen wir z.B. aus den Kellnereiabrechnungen (Kellnerei = man würde heute sagen das Finanzamt) Mayen und Monreal des Jahres 1724 folgende Zahlungsverpflichtungen der Bewohner von Urmersbach:
Für 425 Hühner aus dem Kirchspiel Masburg und dem Amt Kaisersesch vereinnahmte die Kellnerei 106 Gulden (die Naturallieferung Hühner wurde durch Geld abgegolten); Einnahmen an Korn: von der Pützfeld'schen Mühle zu Schuberach(= Hofmühle zu Hof Schuwerack) 1 Malter; von der Eltzer Mühle zu Urmersbach 4 Sömmer; der Kaisersescher Bürgermeister hat jährlich 29 Malter Korn Kochemer Maß zu liefern (die natürlich die Bürger der amtsangehörigen Gemeinden aufbringen mussten) macht 27 Malter, 2 Sümmer; Gerste an die Kellnerei Monreal: Gerste wegen schuldiger Holz- und Handfron zu Urmersbach 1 Malter 2 Sümmer welche der Schloss-Hofmann zu sammeln und zur Kellnerei zu liefern hat.; Ochsenfütterung: Jeder Hofmann, der vermög seiner Belehnung ein Rind zu füttern schuldig, ist angewiesen worden, bis auf anderweitige kurfürstliche Verordnung einen Reichstaler zu zahlen. Einnahmen an Hämmeln bei der Kellnerei Mayen aus der Kellnerei Monreal: aus dem Amt Kaisersesch im Schaltjahr 10 Hämmel. Im Amt Kaisersesch gibt jede Ehe 2 Hühner, Schultheiß, Schöffen und Bote sind befreit, macht zu Urmersbach 4 Hühner (4 Hühner, das muss allerdings ein Schreib- oder Übertragungsfehler sein, denn Urmersbach hatte mit Sicherheit mehr als 2 Ehen, allein Eulgem lieferte 20 Hühner ab, dort wohnten also 10 leistungspflichtige Ehepaare).

Der "Freiadelige Hof" Schuwerack (Schuberack)

Besondere Bedeutung für Urmersbach und seine Andreas-Kapelle, hatte der "Freiadelige Hof Schu(b)werack. Der Hof, den 1371 der Ritter Johann von Klotten vom Ritter von Geissbüsch kaufte, gehörte zum Hochgericht Klotten, hatte ein eigenes Hofgericht, war Asylstätte für flüchtige Gesetzesbrecher, und besaß eine eigene Gerichtsstätte (Galgen). Der Hof war pacht- und zinsfrei und besaß die Berechtigung zur freien Weide und Schäferei im gesamten Masburger Kirchspiel. Nach dem Aussterben der Ritter von Klotten ging der Hof im Erbgang an die Ritter Haust von Ulmen und die Herren von Lipp, genannt "Hohe Herren zu Hartenfels und Cloten". Später gehörte er den Frey von Dern und den von Pützfeld, welche ihn 1677 dem Erzbischof Karl Kaspar von der Leyen übertrugen. Zum Hof gehörte damals eine Öl- und Mehlmühle, die 1678 an das Lambertinische Seminar in Trier überging. 1789 gehörte der Hof dem Lambertinischen Seminar und der Familie des erzbischöflichen Kellners Jacobi zu Ulmen. Die adeligen Eigentümer des Schuwerackerhofes, hatten das Kollationsrecht für die St. Andreas-Kapelle zu Urmersbach, d.h. sie hatten das Recht den Geistlichen für die Kapelle zu benennen.

Mühlen

Das historische Archivmaterial aus den vergangen Jahrhunderten nennt mehrere Mühlen in und um Urmersbach; jedoch ist daraus nicht immer ersichtlich, ob es sich um die gleiche Mühle handelt und diese nur den Namen gewechselt hat, oder ob es tatsächlich eine andere Mühle ist. Genannt werden: 1571 eine Mühle des Klosters Stuben, die 1637 abbrannte. Dem trierischen Kellner Jakobi zu Ulmen und den erzbischöflich-clementinischen Seminar zu Trier gehören eine Condominalmühle, die seit 1787 verfallen war. 1609 hatte Jacob von Eltz seinen Masburger Besitz mit der Auflage verlehnt, die alte zerfallene Mühle wieder aufzubauen. 1663 ist eine "Eltzer Mühle" erwähnt und 1871 eine "Urmersbacher Mühle" In der Tranchot-Karte von 1810/11 ist eine "Oligs-Mühle" eingezeichnet, sie wird später als Wüstung, westlich des Steilbaches, 800 m nordwestl. von Urmersbach bezeichnet. 1840 sind zwei Mühlen und 1950 ist die Obermühle erwähnt. (Foto unten: "Die Obermühle" Foto by Reiner Weber)

Gemeindeordnung und Verwaltung

Bereits im Jahre 1669 bewilligt der kurtrierische Amtmann Johann Anton von Eltz dem Dorf Urmersbach eine eigene Polizei-Ordnung, die "Urmischbacher Policey-Ordnung", die die Rechte und Pflichten der Einwohner gegenüber der Dorfgemeinschaft beinhaltet.
In kurtrierischer Zeit gehörte Urmersbach immer zum Amt Kaisersesch im Oberamt Cochem bzw. später im Oberamt Mayen. Auch in der Zeit als der Ort von den Franzosen beherrscht wurde, zählte Urmersbach zum Gebiet der Mairie (Amtsverwaltung) Kaisersesch, später dann zur "Preußischen Bürgermeisterei", "Amtsbürgermeisterei" und schließlich zur "Verbandsgemeinde" Kaisersesch.

Unter Preußens Gloria

Wie alle anderen preußischen, linksrheinischen Orte, bekam auch Urmersbach am 26. Juni 1846 nach der 1845 erlassenen "Gemeindeordnung für die Preußische Rheinprovinz", mit Christian Thernes, seinen ersten, nach dem "Drei-Klassen-Wahlrecht" freigewählten Ortsvorsteher.
Hunger und Armut prägten damals das Leben in Urmersbach und so ist es sicherlich nicht sehr verwunderlich, dass auch Urmersbacher Bürger sich an der Auswanderungswelle nach Nordamerika beteiligten. Sogar der Ortsvorsteher Thernes, der sicher nicht zu den ärmsten Dorfbewohnern gezählt haben mag, wanderte 1847 nach Nordamerika aus.

1889 wurde in Urmersbach eine eigene Posthilfsstelle eingerichtet, die Urmersbach und Düngenheim betreute, die allerdings nach dem 1. Weltkrieg wieder aufgelöst wurde und seitdem erfolgte die Postversorgung von Kaisersesch aus.
Als Markstein in der Geschichte des Ortes, der auch eine Wandlung der Existenzgrundlage der Bevölkerung mit sich brachte, darf man wohl die Eröffnung der Eifeleisenbahnstrecke Mayen-Gerolstein, die mitten durch den Ort verläuft, am 15. Mai 1895 ansehen.
Die Einwohner, die sich bisher fast ausschließlich durch die Landwirtschaft ernährten, hatten nun auch die Möglichkeit sich andere Erwerbsquellen zu erschließen. Die Ernährer der Familien konnten nun direkt vor ihrer Haustür in den Zug einsteigen, der sie zu ihrer Arbeitsstelle brachte. Die günstige Verbindung zu dem Schiefergrubengebiet in Mayen und die Tatsache, dass hier die Arbeit vergleichsweise sehr gut bezahlt wurde, sind wohl die Gründe dafür, dass die meisten Urmersbacher Männer als Koulemänner im Schieferbergbau arbeiteten. Der Bahnhof Urmersbach, obwohl nur für die Orte Urmersbach und Düngenheim zuständig verkaufte z.B. 1927 29508 Fahrkarten und verfrachtete 800 Tonnen Kartoffeln, 1780 Wagenladungen, 174 Tonnen Stückfracht und 294 Stück Vieh.
Trotz aller Bemühungen, Eingaben, Resolutionen war das Schicksal der Eifeleisenbahn am 11. Jan. 1991 besiegelt. Der Reisezugverkehr wurde eingestellt, soll aber im Jahre 2000 wieder, wenn auch vorerst nur versuchsweise, reaktiviert werden.

Nach dem verlorenen 1. Weltkrieg hatte Urmersbach 1818/19 für wenige Monate Einquartierungen amerikanischer Soldaten.
1924 brennt erstmals elektrisches Licht im Dorf und 1927 ist die zentrale Wasserversorgung fertig gestellt, wozu Planungen und Vorarbeiten schon 1911 stattgefunden hatten.
Im Jahre 1933 wird im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für "Wohlfahrtsarbeitslose" die Straße Urmersbach bis zur Straße nach Monreal und 1935 deren weiterer Verlauf bis Düngenheim fertig gestellt.
Am 2. Februar 1945 wurde Urmersbach mit Fliegerbomben und Bordwaffen von 12 Jagdfliegern angegriffen, wobei 6 Menschen ums Leben kamen und am 2. März 45 war es Ziel einer Luftmine, die zwar kein Menschenleben forderte, aber großen Sachschaden anrichtete. 5 Tage später, am 7. März marschierten die Amerikaner, von Masburg her kommend in Urmersbach ein.
Erster Ortsbürgermeister nach dem 2. Weltkrieg wird Matthias Müller.

Volksschule

1678 ermahnte der Erzbischof, Johann Hugo von Orsbeck, die Pfarrer, die Anordnung seines Vorgängers Lothar von Metternich von 1622, in allen Orten Pfarrschulen einzurichten, "mit allen Anstrengungen" durchzuführen.
Pfarrschulen, das bedeutete für Urmersbach, die Kinder erhielten Unterricht im Pfarrdorf, also in Düngenheim und es waren nur sog. Winterschulen, die die Kinder im Winter, wenn keine Arbeit auf dem Feld war, besuchten.
1763 werden die Urmersbacher Kinder "wegen einer Viehseuche" vorrüberübergehend durch Philip Schneider, in Urmersbach unterrichtet. Ab diesem Zeitpunkt scheint es offenbar dann so zu sein, das die Kinder besser gestellter Leute, die dem Lehrer Schulgeld bezahlen konnten, in Urmersbach unterrichtet wurden, alle anderen aber, und das war der allergrößte Teil, aber nach Düngenheim zum Unterricht musste.
Um die Jahrhundertwende des 18./19. Jh. lehrte in Urmersbach ein älterer Mann, namens Naß, der zugleich auch Schneider, Maler und Bilderschnitzer war.
Erst 1832 wird mit Jakob Stein ein eigener Lehrer für Urmersbach genannt.
Bis 1843 lehren in Urmersbach vier verschiedene Schulmeister. Erst als dann, am 1. März 1844 der aus Laubach stammende Anton Miesen Schulmeister wird, scheint der Schulbetrieb, nach damaligen Verhältnisse, in einer ordnungsgemäßen Bahn gelaufen zu sein. Miesen war übrigens damals 19 Jahre alt, hatte beim Lehrer Bonn in Müllenbach "gelernt" und bereits mit 17 Jahren in Hirschfeld Kreis Zell seine erste Stelle angetreten.
Miesen beklagt sich, dass bei seinem Amtsantritt in Urmersbach von 100 Schülern nur etwa der achte Teil fließend und vor allen Dingen lautrichtig lesen konnte; die Kinder lasen so wie sie zu sprechen gewohnt waren, also Urmersbacher-Platt. Vor allem aber bemängelt er, dass weder Zucht noch Ordnung, besonders bei den älteren Schülern, herrsche und der Schulbesuch höchst unregelmäßig sei. Er habe überhaupt keine Rückhalt bei den Eltern, da diese ihre Kinder lieber in der Feldarbeit beschäftigten und "den ganzen Sommer auf den Bettel schicken" würden. Im Übrigen sei der Unterrichtsraum eine "elende dunkel Stube", "die Kinder sitzen an groben, dicken Bänken" und "die kleinen Kinder haben noch nicht einmal einen Tisch, so dass sie ihr Täfelchen bei Schreiben auf den Arm legen müssen", "in der kalten Jahreszeit rauchte der Ofen beständig", "die Fenster gleichen kleinen Luken und gibt nur spärlich Licht, so dass bei trübem Wetter alles dunkel ist", "der Lehrer hat weder Tisch noch Stuhl", "die Haustür gleicht einer Stalltür, welche mit einem starken Bandeisen versehen und mittels eines Klausters verschlossen werden kann" usw.
Es war aber nicht so, dass dem Gemeinderat diese untragbaren schulischen Zustände nicht bewusst und dass er nicht gewillt war, ihnen abzuhelfen. Aus dem Gemeindeprotokollbuch, dass seit der erstmaligen Wahl des Gemeinderates im Jahre 1846 geführt wurde, ist nämlich ersichtlich, das sich das Parlament laufend mit den miserablen Schulverhältnissen beschäftigte und um Abhilfe bemüht war. Doch der armen Gemeinde fehlte einfach das Geld um eine Schule zu errichten. Und so dauerte es dann auch noch bis zum 15. Okt. 1856 bis ein neues Schulhaus gebaut war, das 3000 Taler kostete und nur deshalb realisiert werden konnte, weil die Gemeinde eine "Beihülfe" als "Allerhöchstes Gnadengeschenk" seitens Ihrer Majestät König Friedrich Wilhelm IV. erhielt. Als Dank brachte man über dem Haustürsturz der neuen Schule eine Gedenktafel an: "DEM GNÄDIGEN GERECHTEN KÖNIG F.W. IV., DIE DANKBARE GEMEINDE"

Der Schulbesuch wurde nun regelmäßiger und wegen der hohen Schülerzahl (115 im Jahre 1869), die Lehrer Miesen allein unterrichte, richtete man 1871 eine zweite, eine reine Mädchenklasse, ein, die bis 1883 bestand.
1884 starb Lehrer Miesen und die Kinder wurden, bis 1904, als der aus Hambuch gebürtigte Anton Welling Schulleiter wurde, von ständig wechselndem Lehrpersonal unterrichtet.
Von 1887 bis 1907 wurde die Schule wieder einklassig geführt, dann aber erhält sie, durch die aus Müllenbach stammende Lehrerin, Barbara Steffes-mies, eine zweite Lehrkraft. Die Schule hatte nun zwei Lehrpersonen, aber nur einen Schulsaal.
In den Jahren 1909/10 wurde an der Schule neu und umgebaut, es entstanden zwei Schulsäle und der alte Schulsaal wurde zu einer Lehrwohnung umgebaut.
1948 wurde Lehrer Welling, nach 44-jährigem Wirken in Urmersbach, pensioniert, und Frau Ursula Serwaty zur Schulleiterin ernannt.
Offenbar war bis 1958 in der Schule und der Lehrerwohnung kaum etwas renoviert, bzw. modernisiert worden, den Lehrerin Serwaty beschwert sich damals bitter über baulichen Anlagen.
1963 können dann neue Lehrerdienstwohnungen bezogen werden.
Ab 1. Dezember 1966 besuchen auch die Urmersbacher Schüler, des neu eingerichteten 9. Schuljahres, wie alle anderer Schüler dieses Schuljahres aus den Orten des Raumes Kaisersesch, die Mittelpunktschule in Kaisersesch.
1968 wird die Schule Urmersbachs renoviert, Zentralheizung und eine Toilettenanlage installiert.
Die Schüler des 5.-9. Schuljahres besuchen ab August 1972 die Mittelpunktschule in Kaisersesch und am 1. Aug. 1973 wird die Grundschule Urmersbach aufgelöst, auch die Schüler der Grundschule werden in Kaisersesch unterrichtet.
Die letzte Schulleiterin in Urmersbach, Frau Margret Mertsch, ging an die Hauptschule nach Kaisersesch.

Die alte Schule in Urmersbach wird heute, nach entsprechendem Umbau, als Gemeindebegegnungsstätte genutzt.

Vieles habe ich beim "Stöbern", besonders in den beiden alten Büchern, der Schulchronik und dem Protokollbuch des Gemeinderates, noch gefunden, was, so ist der Plan von Ortsbügermeister Weber, demnächst in einer gebundenen Ortschronik veröffentlicht werden soll. Über die Geschichte der "St. Andreas-Kapelle" werde ich aber auch noch in meiner Homepage berichten und dazu habe ich eine ganz besondere Entdeckung gemacht. Der oben genannte Lehrer Miesen hat nämlich als erste Eintragung, 1875, in die Schulchronik ein Dokument abgeschrieben, dass heute nicht mehr im Original vorhanden ist. In diesem Dokument berichtet der Vikarius an der St. Andreas-Kapelle zu Urmersbach, Ludgerus Schultz,  darüber, wie er den Ort und die Kapelle bei seinem Amtsantritt in Urmersbach, im Jahre 1700 vorgefunden hat. 
Der Historiker, Herr Dr. Dieter Kastner, vom Rheinischen Archiv- und Museumsamt in Pulheim bei Köln, hat freundlicher Weise dieses Dokument, das in der alten deutschen Schrift geschrieben ist und sehr viel lateinischen Text enthält, so übersetzt, dass es für uns lesbar und verständlich ist. 
Herr Dr. Kastner, dem mein besonderer Dank für diese Arbeit gilt und dem ich auch im Namen von Herrn Ortsbürgermeister, Reiner Weber, recht herzlich danke, bezeichnet dieses Dokument für die Geschichte des Ortes Urmersbach und die Geschichte der umliegenden Eifeldörfer als einen bedeutsamen geschichtlichen Fund, weil aus ihm auch die damaligen sozialen Verhältnisse der Eifelbevölkerung recht eindrucksvoll ersichtlich werden.

Nicht vergessen darf ich deshalb, ein Lob an die Adresse der früheren Ortsbürgermeister und Lehrer in Urmersbach auszusprechen, die das Gemeinderatsbeschlussbuch und die Schulchronik hervorragend geführt haben (die Schulchronik wurde von Altbürgermeister Engels sogar noch als Ortschronik weitergeführt, als die Schule in Urmersbach nicht mehr bestanden hat) und vor allen Dingen aber auch für die Nachwelt aufbewahrt haben. 
Dies ist leider nicht immer der Fall und deshalb meine Bitte an alle heutigen Ortsbürgermeister der Ortsgemeinden: Auch in Ihrer Gemeinde wurde seit 1846 ein Gemeindebeschlussbuch geführt und die Schulmeister waren seit 1875 verpflichtet eine Schulchronik zu führen, in der sie neben den rein schulischen Berichten auch gemeindliches und kirchliches einzutragen hatten. Heute, wo in den meisten Gemeinde keine Schule mehr existiert, gehört diese Schulchronik, genau so wie das Gemeindebeschlussbuch in die Hand des amtierenden Ortsbürgermeisters und bei den Orten die noch eigene Schulen haben, sollten die Ortsbürgermeister darauf achten, dass die Schulchronik dem Ort erhalten bleibt.

Liebe Ortsbürgermeister: Achten Sie bei der Amtsübernahme darauf, dass Ihnen diese Bücher von Ihrem Vorgänger übergeben werden. Leider kommt viel zu oft vor, dass die Nachkommen eines früheren Bürgermeisters, spätestens in der übernächsten Generation, diese, für die Ortsgeschichte so wichtigen Bücher, als Familieneigentum betrachten, oder einfach behaupten, sie seien "nicht mehr vorhanden". Es soll sogar vorgekommen sein, dass eine Ortsgemeinde im Landkreis Cochem-Zell ihr eigenes Gemeindebeschlussbuch "zurückkaufen" musste.
In diesem Zusammenhang, liebe/r Stadtbürgermeister und Ortsbürgermeister der Ortsgemeinden des Verbandsgemeindebezirks Kaisersesch, möchte ich Sie noch einmal auf ein Problem ansprechen, auf das ich Sie bereits im letzten Jahr angesprochen habe. Sie wissen, in der Grundschule in Kaisersesch lagern die alten Akten der Verbandsgemeindeverwaltung Kaisersesch, unsortiert auf dem Speicher. Es sind Akten, die alle Ortsgemeinden des Verwaltungsbezirkes betreffen und teilweise noch aus dem 19. Jahrhundert stammen. Diese alten, auf schlechtem Papier geschriebenen Dokumente, sind, da der Speicher nicht beheizbar ist, im Winter der Kälte genauso ausgesetzt, wie im Sommer der Hitze, was verständlicherweise ihrem Erhaltungszustand sehr zugesetzt hat. Liebe Bürgermeister diese Akten sind wichtig für die Geschichte Ihres Ortes; ohne sie kann über das Leben der  "Altvorderen" nicht berichtet werden.
Meine Bitte vom letzten Jahr an alle Bürgermeister und an alle Fraktionsvorsitzenden,  der im Verbandsgemeinderat vertretenen Fraktionen, die alten Akten so zu lagern, dass Sie erhalten bleiben und so sortieren zu lassen, dass damit gearbeitet werden kann, hat bisher nicht gefruchtet. 
Es tut mir leid, das so öffentlich sagen zu müssen: Sicherlich kann sich ein zeitlicher Verbandsbürgermeister mit Entscheidungen in aktuellen Fragen mehr "Publicity" erwerben, als mit der Organisation eines Archivs. Aber, und Gott sei Dank, denken und handeln die meisten Verwaltungen verantwortungsbewusster als das unsere verantwortliche Behörde bis jetzt getan hat und offenbar gewillt ist weiter zu tun.

Bei Herrn Ortsbürgermeister, Reiner Weber, von Urmersbach bedanke ich mich recht herzlich, dass er mir das Beschlussbuch und die Schulchronik bereitwillig zur Verfügung gestellt hat und mir bei meinen Recherchen in jeder Weise gerne behilflich war.


Copyright © by Werner Schumacher, Kaisersesch 2000

Zurück zu den Orten der Verbandsgemeinde Kaisersesch