U r m e r s b a c h

(Das Wappen von Urmersbach, eigenes Repro)
- In der Geschichte der Gemeinde gestöbert -
Werner Schumacher
Unter Heimweh nach dem Heimatort zu leiden, dafür muss man
nicht unbedingt meilenweit entfernt von ihm leben, dafür genügt es manchmal
schon, wenn man den vertrauten Kirchturm nicht ständig vor Augen hat.
So geht es beispielsweise dem gebürtigten Urmersbacher,
Alfons Bohl, der zwar nur wenige Kilometer entfernt in Reudelsterz wohnt,
trotzdem aber Heimweh nach seinem geliebten Heimatort Urmersbach hat. Diese
Heimweh schreibt er sich in gekonnten Versen von der Seele und die Gedichte die
daraus entstehen, besingen Urmersbach, den Ort wo seine Wiege stand.
Eines dieser Gedichte hat er mir freundlicher Weise, zur
Einstimmung auf meinen Bericht zur Vergangenheit Urmersbachs, zur Verfügung
gestellt:
Urmersbach, unvergessene Heimat
Schon ewig fließt der kleine Bach der Heimat zu
durch grüne Wiesen, die da ruh'n in Gottes Garten,
vorbei an Mühlen, die längst stille steh'n
und auf einen neuen Anfang warten.
Wo Schäfers Herden zogen einst, durch's stille Tal
und an den Ufernbogen Blumen blüh'n
wo Eulen plaudern in die stille Nacht,
und so verschlafen steht manch alt Gemäuer
Wo Sankt Andreas hält schon ewig treue Wacht,
Und Erlen leuchten wenn der Wind sie küsst
da ist die Heimat - Sei gegrüßt
Wo das Licht der Eifel glüht,
Eifelgold schmückt Hang und Rain,
und der Mohn im Garten blüht,
Blumenduft in Feld und Hain,
Wo das Blut der Erde fließt durch der Häusermitte,
Lieder klingen durch das Tal stets nach alter Sitte
wenn die Abendglocken läuten und das Tal
hüllt sich in Schweigen,
Leute vor dem Hause sitzen, Kinder spiel'n im Reigen
da ist die Heimat - Sei gegrüßt
dort wo im Moos versteckt die alten Jugendträume,
der Stamm und Wurzeln meiner Ahnen längst verdorrt,
da sitz ich gern im Schatten alter Bäume,
du Urmersbach, du bist und bleibst mein Heimatort!
(Foto unten: "Urmersbach" by Reiner Weber)

Wappen
Lage
Ortsname und -ursprung
Einwohner und Gemarkung
Urkunden die Urmersbach erwähnen:
Die Herren und Grundbesitzer, Mühlen im Mittelalter
Selbstverständlich kamen dazu noch erhebliche Zahlungen, die
von den kurfürstlichen Oberämtern Cochem und später Mayen eingezogen wurden
und für den Landesherren, den Erzbischof und Kurfürsten zu Trier, bestimmt
waren.
So entnehmen wir z.B. aus den Kellnereiabrechnungen
(Kellnerei = man würde heute sagen das Finanzamt) Mayen und Monreal des Jahres
1724 folgende Zahlungsverpflichtungen der Bewohner von Urmersbach:
Für 425 Hühner aus dem Kirchspiel Masburg und dem Amt
Kaisersesch vereinnahmte die Kellnerei 106 Gulden (die Naturallieferung Hühner
wurde durch Geld abgegolten); Einnahmen an Korn: von der Pützfeld'schen Mühle
zu Schuberach(= Hofmühle zu Hof Schuwerack) 1 Malter; von der Eltzer Mühle zu
Urmersbach 4 Sömmer; der Kaisersescher Bürgermeister hat jährlich 29 Malter
Korn Kochemer Maß zu liefern (die natürlich die Bürger der amtsangehörigen
Gemeinden aufbringen mussten) macht 27 Malter, 2 Sümmer; Gerste an die
Kellnerei Monreal: Gerste wegen schuldiger Holz- und Handfron zu Urmersbach 1
Malter 2 Sümmer welche der Schloss-Hofmann zu sammeln und zur Kellnerei zu
liefern hat.; Ochsenfütterung: Jeder Hofmann, der vermög seiner Belehnung ein
Rind zu füttern schuldig, ist angewiesen worden, bis auf anderweitige kurfürstliche
Verordnung einen Reichstaler zu zahlen. Einnahmen an Hämmeln bei der Kellnerei
Mayen aus der Kellnerei Monreal: aus dem Amt Kaisersesch im Schaltjahr 10 Hämmel.
Im Amt Kaisersesch gibt jede Ehe 2 Hühner, Schultheiß, Schöffen und Bote sind
befreit, macht zu Urmersbach 4 Hühner (4 Hühner, das muss allerdings ein
Schreib- oder Übertragungsfehler sein, denn Urmersbach hatte mit Sicherheit
mehr als 2 Ehen, allein Eulgem lieferte 20 Hühner ab, dort wohnten also 10
leistungspflichtige Ehepaare).
Der "Freiadelige Hof" Schuwerack (Schuberack)
Besondere Bedeutung für Urmersbach und seine Andreas-Kapelle, hatte der "Freiadelige Hof Schu(b)werack. Der Hof, den 1371 der Ritter Johann von Klotten vom Ritter von Geissbüsch kaufte, gehörte zum Hochgericht Klotten, hatte ein eigenes Hofgericht, war Asylstätte für flüchtige Gesetzesbrecher, und besaß eine eigene Gerichtsstätte (Galgen). Der Hof war pacht- und zinsfrei und besaß die Berechtigung zur freien Weide und Schäferei im gesamten Masburger Kirchspiel. Nach dem Aussterben der Ritter von Klotten ging der Hof im Erbgang an die Ritter Haust von Ulmen und die Herren von Lipp, genannt "Hohe Herren zu Hartenfels und Cloten". Später gehörte er den Frey von Dern und den von Pützfeld, welche ihn 1677 dem Erzbischof Karl Kaspar von der Leyen übertrugen. Zum Hof gehörte damals eine Öl- und Mehlmühle, die 1678 an das Lambertinische Seminar in Trier überging. 1789 gehörte der Hof dem Lambertinischen Seminar und der Familie des erzbischöflichen Kellners Jacobi zu Ulmen. Die adeligen Eigentümer des Schuwerackerhofes, hatten das Kollationsrecht für die St. Andreas-Kapelle zu Urmersbach, d.h. sie hatten das Recht den Geistlichen für die Kapelle zu benennen.
Mühlen
Das historische Archivmaterial aus den vergangen Jahrhunderten nennt mehrere Mühlen in und um Urmersbach; jedoch ist daraus nicht immer ersichtlich, ob es sich um die gleiche Mühle handelt und diese nur den Namen gewechselt hat, oder ob es tatsächlich eine andere Mühle ist. Genannt werden: 1571 eine Mühle des Klosters Stuben, die 1637 abbrannte. Dem trierischen Kellner Jakobi zu Ulmen und den erzbischöflich-clementinischen Seminar zu Trier gehören eine Condominalmühle, die seit 1787 verfallen war. 1609 hatte Jacob von Eltz seinen Masburger Besitz mit der Auflage verlehnt, die alte zerfallene Mühle wieder aufzubauen. 1663 ist eine "Eltzer Mühle" erwähnt und 1871 eine "Urmersbacher Mühle" In der Tranchot-Karte von 1810/11 ist eine "Oligs-Mühle" eingezeichnet, sie wird später als Wüstung, westlich des Steilbaches, 800 m nordwestl. von Urmersbach bezeichnet. 1840 sind zwei Mühlen und 1950 ist die Obermühle erwähnt. (Foto unten: "Die Obermühle" Foto by Reiner Weber)

Gemeindeordnung und Verwaltung
Bereits im Jahre 1669 bewilligt der kurtrierische Amtmann
Johann Anton von Eltz dem Dorf Urmersbach eine eigene Polizei-Ordnung, die
"Urmischbacher Policey-Ordnung", die die Rechte und Pflichten der
Einwohner gegenüber der Dorfgemeinschaft beinhaltet.
In kurtrierischer Zeit gehörte Urmersbach immer zum Amt
Kaisersesch im Oberamt Cochem bzw. später im Oberamt Mayen. Auch in der Zeit
als der Ort von den Franzosen beherrscht wurde, zählte Urmersbach zum Gebiet
der Mairie (Amtsverwaltung) Kaisersesch, später dann zur "Preußischen Bürgermeisterei",
"Amtsbürgermeisterei" und schließlich zur
"Verbandsgemeinde" Kaisersesch.
Unter Preußens Gloria
Wie alle anderen preußischen, linksrheinischen Orte, bekam
auch Urmersbach am 26. Juni 1846 nach der 1845 erlassenen "Gemeindeordnung
für die Preußische Rheinprovinz", mit Christian Thernes, seinen ersten,
nach dem "Drei-Klassen-Wahlrecht" freigewählten Ortsvorsteher.
Hunger und Armut prägten damals das Leben in Urmersbach und
so ist es sicherlich nicht sehr verwunderlich, dass auch Urmersbacher Bürger
sich an der Auswanderungswelle nach Nordamerika beteiligten. Sogar der
Ortsvorsteher Thernes, der sicher nicht zu den ärmsten Dorfbewohnern gezählt
haben mag, wanderte 1847 nach Nordamerika aus.
1889 wurde in Urmersbach eine eigene Posthilfsstelle
eingerichtet, die Urmersbach und Düngenheim betreute, die allerdings nach dem
1. Weltkrieg wieder aufgelöst wurde und seitdem erfolgte die Postversorgung von
Kaisersesch aus.
Als Markstein in der Geschichte des Ortes, der auch eine
Wandlung der Existenzgrundlage der Bevölkerung mit sich brachte, darf man wohl
die Eröffnung der Eifeleisenbahnstrecke Mayen-Gerolstein, die mitten durch den
Ort verläuft, am 15. Mai 1895 ansehen.
Die Einwohner, die sich bisher fast ausschließlich durch die
Landwirtschaft ernährten, hatten nun auch die Möglichkeit sich andere
Erwerbsquellen zu erschließen. Die Ernährer der Familien konnten nun direkt
vor ihrer Haustür in den Zug einsteigen, der sie zu ihrer Arbeitsstelle
brachte. Die günstige Verbindung zu dem Schiefergrubengebiet in Mayen und die
Tatsache, dass hier die Arbeit vergleichsweise sehr gut bezahlt wurde, sind wohl
die Gründe dafür, dass die meisten Urmersbacher Männer als Koulemänner im
Schieferbergbau arbeiteten. Der Bahnhof Urmersbach, obwohl nur für die Orte
Urmersbach und Düngenheim zuständig verkaufte z.B. 1927 29508 Fahrkarten und
verfrachtete 800 Tonnen Kartoffeln, 1780 Wagenladungen, 174 Tonnen Stückfracht
und 294 Stück Vieh.
Trotz aller Bemühungen, Eingaben, Resolutionen war das
Schicksal der Eifeleisenbahn am 11. Jan. 1991 besiegelt. Der Reisezugverkehr
wurde eingestellt, soll aber im Jahre 2000 wieder, wenn auch vorerst nur
versuchsweise, reaktiviert werden.
Nach dem verlorenen 1. Weltkrieg hatte Urmersbach 1818/19 für
wenige Monate Einquartierungen amerikanischer Soldaten.
1924 brennt erstmals elektrisches Licht im Dorf und 1927 ist
die zentrale Wasserversorgung fertig gestellt, wozu Planungen und Vorarbeiten
schon 1911 stattgefunden hatten.
Im Jahre 1933 wird im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme
für "Wohlfahrtsarbeitslose" die Straße Urmersbach bis zur Straße
nach Monreal und 1935 deren weiterer Verlauf bis Düngenheim fertig gestellt.
Am 2. Februar 1945 wurde Urmersbach mit Fliegerbomben und
Bordwaffen von 12 Jagdfliegern angegriffen, wobei 6 Menschen ums Leben kamen und
am 2. März 45 war es Ziel einer Luftmine, die zwar kein Menschenleben forderte,
aber großen Sachschaden anrichtete. 5 Tage später, am 7. März marschierten
die Amerikaner, von Masburg her kommend in Urmersbach ein.
Erster Ortsbürgermeister nach dem 2. Weltkrieg wird Matthias
Müller.
Volksschule
1678 ermahnte der Erzbischof, Johann Hugo von Orsbeck, die
Pfarrer, die Anordnung seines Vorgängers Lothar von Metternich von 1622, in
allen Orten Pfarrschulen einzurichten, "mit allen Anstrengungen"
durchzuführen.
Pfarrschulen, das bedeutete für Urmersbach, die Kinder
erhielten Unterricht im Pfarrdorf, also in Düngenheim und es waren nur sog.
Winterschulen, die die Kinder im Winter, wenn keine Arbeit auf dem Feld war,
besuchten.
1763 werden die Urmersbacher Kinder "wegen einer
Viehseuche" vorrüberübergehend durch Philip Schneider, in Urmersbach
unterrichtet. Ab diesem Zeitpunkt scheint es offenbar dann so zu sein, das die
Kinder besser gestellter Leute, die dem Lehrer Schulgeld bezahlen konnten, in
Urmersbach unterrichtet wurden, alle anderen aber, und das war der allergrößte
Teil, aber nach Düngenheim zum Unterricht musste.
Um die Jahrhundertwende des 18./19. Jh. lehrte in Urmersbach
ein älterer Mann, namens Naß, der zugleich auch Schneider, Maler und
Bilderschnitzer war.
Erst 1832 wird mit Jakob Stein ein eigener Lehrer für
Urmersbach genannt.
Bis 1843 lehren in Urmersbach vier verschiedene Schulmeister.
Erst als dann, am 1. März 1844 der aus Laubach stammende Anton Miesen
Schulmeister wird, scheint der Schulbetrieb, nach damaligen Verhältnisse, in
einer ordnungsgemäßen Bahn gelaufen zu sein. Miesen war übrigens damals 19
Jahre alt, hatte beim Lehrer Bonn in Müllenbach "gelernt" und bereits
mit 17 Jahren in Hirschfeld Kreis Zell seine erste Stelle angetreten.
Miesen beklagt sich, dass bei seinem Amtsantritt in
Urmersbach von 100 Schülern nur etwa der achte Teil fließend und vor allen
Dingen lautrichtig lesen konnte; die Kinder lasen so wie sie zu sprechen gewohnt
waren, also Urmersbacher-Platt. Vor allem aber bemängelt er, dass weder Zucht
noch Ordnung, besonders bei den älteren Schülern, herrsche und der Schulbesuch
höchst unregelmäßig sei. Er habe überhaupt keine Rückhalt bei den Eltern,
da diese ihre Kinder lieber in der Feldarbeit beschäftigten und "den
ganzen Sommer auf den Bettel schicken" würden. Im Übrigen sei der
Unterrichtsraum eine "elende dunkel Stube", "die Kinder sitzen an
groben, dicken Bänken" und "die kleinen Kinder haben noch nicht
einmal einen Tisch, so dass sie ihr Täfelchen bei Schreiben auf den Arm legen müssen",
"in der kalten Jahreszeit rauchte der Ofen beständig", "die
Fenster gleichen kleinen Luken und gibt nur spärlich Licht, so dass bei trübem
Wetter alles dunkel ist", "der Lehrer hat weder Tisch noch
Stuhl", "die Haustür gleicht einer Stalltür, welche mit einem
starken Bandeisen versehen und mittels eines Klausters verschlossen werden
kann" usw.
Es war aber nicht so, dass dem Gemeinderat diese untragbaren
schulischen Zustände nicht bewusst und dass er nicht gewillt war, ihnen
abzuhelfen. Aus dem Gemeindeprotokollbuch, dass seit der erstmaligen Wahl des
Gemeinderates im Jahre 1846 geführt wurde, ist nämlich ersichtlich, das sich
das Parlament laufend mit den miserablen Schulverhältnissen beschäftigte und
um Abhilfe bemüht war. Doch der armen Gemeinde fehlte einfach das Geld um eine
Schule zu errichten. Und so dauerte es dann auch noch bis zum 15. Okt. 1856 bis
ein neues Schulhaus gebaut war, das 3000 Taler kostete und nur deshalb
realisiert werden konnte, weil die Gemeinde eine "Beihülfe" als
"Allerhöchstes Gnadengeschenk" seitens Ihrer Majestät König
Friedrich Wilhelm IV. erhielt. Als Dank brachte man über dem Haustürsturz der
neuen Schule eine Gedenktafel an: "DEM GNÄDIGEN GERECHTEN KÖNIG F.W. IV.,
DIE DANKBARE GEMEINDE"
Der Schulbesuch wurde nun regelmäßiger und wegen der hohen
Schülerzahl (115 im Jahre 1869), die Lehrer Miesen allein unterrichte, richtete
man 1871 eine zweite, eine reine Mädchenklasse, ein, die bis 1883 bestand.
1884 starb Lehrer Miesen und die Kinder wurden, bis 1904, als
der aus Hambuch gebürtigte Anton Welling Schulleiter wurde, von ständig
wechselndem Lehrpersonal unterrichtet.
Von 1887 bis 1907 wurde die Schule wieder einklassig geführt,
dann aber erhält sie, durch die aus Müllenbach stammende Lehrerin, Barbara
Steffes-mies, eine zweite Lehrkraft. Die Schule hatte nun zwei Lehrpersonen,
aber nur einen Schulsaal.
In den Jahren 1909/10 wurde an der Schule neu und umgebaut,
es entstanden zwei Schulsäle und der alte Schulsaal wurde zu einer Lehrwohnung
umgebaut.
1948 wurde Lehrer Welling, nach 44-jährigem Wirken in
Urmersbach, pensioniert, und Frau Ursula Serwaty zur Schulleiterin ernannt.
Offenbar war bis 1958 in der Schule und der Lehrerwohnung
kaum etwas renoviert, bzw. modernisiert worden, den Lehrerin Serwaty beschwert
sich damals bitter über baulichen Anlagen.
1963 können dann neue Lehrerdienstwohnungen bezogen werden.
Ab 1. Dezember 1966 besuchen auch die Urmersbacher Schüler,
des neu eingerichteten 9. Schuljahres, wie alle anderer Schüler dieses
Schuljahres aus den Orten des Raumes Kaisersesch, die Mittelpunktschule in
Kaisersesch.
1968 wird die Schule Urmersbachs renoviert, Zentralheizung
und eine Toilettenanlage installiert.
Die Schüler des 5.-9. Schuljahres besuchen ab August 1972
die Mittelpunktschule in Kaisersesch und am 1. Aug. 1973 wird die Grundschule
Urmersbach aufgelöst, auch die Schüler der Grundschule werden in Kaisersesch
unterrichtet.
Die letzte Schulleiterin in Urmersbach, Frau Margret Mertsch,
ging an die Hauptschule nach Kaisersesch.
Die alte Schule in Urmersbach wird heute, nach entsprechendem Umbau, als Gemeindebegegnungsstätte genutzt.
Vieles habe ich beim "Stöbern", besonders in den
beiden alten Büchern, der Schulchronik und dem Protokollbuch des Gemeinderates,
noch gefunden, was, so ist der Plan von Ortsbügermeister Weber, demnächst in
einer gebundenen Ortschronik veröffentlicht werden soll. Über die Geschichte
der "St. Andreas-Kapelle" werde ich aber auch noch in meiner Homepage
berichten und dazu habe ich eine ganz besondere Entdeckung gemacht. Der oben
genannte Lehrer Miesen hat nämlich als erste Eintragung, 1875, in die
Schulchronik ein Dokument abgeschrieben, dass heute nicht mehr im Original
vorhanden ist. In diesem Dokument berichtet der Vikarius an der St.
Andreas-Kapelle zu Urmersbach, Ludgerus Schultz, darüber, wie er den Ort
und die Kapelle bei seinem Amtsantritt in Urmersbach, im Jahre 1700 vorgefunden
hat.
Der Historiker, Herr Dr. Dieter Kastner, vom Rheinischen Archiv- und Museumsamt
in Pulheim bei Köln, hat freundlicher Weise dieses Dokument, das in der alten
deutschen Schrift geschrieben ist und sehr viel lateinischen Text enthält, so
übersetzt, dass es für uns lesbar und verständlich ist.
Herr Dr. Kastner, dem mein besonderer Dank für diese Arbeit gilt und dem ich
auch im Namen von Herrn Ortsbürgermeister, Reiner Weber, recht herzlich danke,
bezeichnet dieses Dokument für die Geschichte des Ortes Urmersbach und die
Geschichte der umliegenden Eifeldörfer als einen bedeutsamen geschichtlichen
Fund, weil aus ihm auch die damaligen sozialen Verhältnisse der
Eifelbevölkerung recht eindrucksvoll ersichtlich werden.
Nicht vergessen darf ich deshalb, ein Lob an die Adresse der früheren
Ortsbürgermeister und Lehrer in Urmersbach auszusprechen, die das
Gemeinderatsbeschlussbuch und die Schulchronik hervorragend geführt haben (die
Schulchronik wurde von Altbürgermeister Engels sogar noch als Ortschronik
weitergeführt, als die Schule in Urmersbach nicht mehr bestanden hat) und vor
allen Dingen aber auch für die Nachwelt aufbewahrt haben.
Dies ist leider nicht
immer der Fall und deshalb meine Bitte an alle heutigen Ortsbürgermeister der
Ortsgemeinden: Auch in Ihrer Gemeinde wurde seit 1846 ein Gemeindebeschlussbuch
geführt und die Schulmeister waren seit 1875 verpflichtet eine Schulchronik zu
führen, in der sie neben den rein schulischen Berichten auch gemeindliches und
kirchliches einzutragen hatten. Heute, wo in den meisten Gemeinde keine Schule
mehr existiert, gehört diese Schulchronik, genau so wie das
Gemeindebeschlussbuch in die Hand des amtierenden Ortsbürgermeisters und bei
den Orten die noch eigene Schulen haben, sollten die Ortsbürgermeister darauf
achten, dass die Schulchronik dem Ort erhalten bleibt.
Liebe Ortsbürgermeister: Achten Sie bei der Amtsübernahme
darauf, dass Ihnen diese Bücher von Ihrem Vorgänger übergeben werden. Leider
kommt viel zu oft vor, dass die Nachkommen eines früheren Bürgermeisters, spätestens
in der übernächsten Generation, diese, für die Ortsgeschichte so wichtigen Bücher,
als Familieneigentum betrachten, oder einfach behaupten, sie seien "nicht
mehr vorhanden". Es soll sogar vorgekommen sein, dass eine Ortsgemeinde im
Landkreis Cochem-Zell ihr eigenes Gemeindebeschlussbuch "zurückkaufen"
musste.
In diesem Zusammenhang, liebe/r Stadtbürgermeister und Ortsbürgermeister der
Ortsgemeinden des Verbandsgemeindebezirks Kaisersesch, möchte ich Sie noch
einmal auf ein Problem ansprechen, auf das ich Sie bereits im letzten Jahr
angesprochen habe. Sie wissen, in der Grundschule in Kaisersesch lagern die
alten Akten der Verbandsgemeindeverwaltung Kaisersesch, unsortiert auf dem
Speicher. Es sind Akten, die alle Ortsgemeinden des Verwaltungsbezirkes
betreffen und teilweise noch aus dem 19. Jahrhundert stammen. Diese alten, auf
schlechtem Papier geschriebenen Dokumente, sind, da der Speicher nicht beheizbar
ist, im Winter der Kälte genauso ausgesetzt, wie im Sommer der Hitze, was
verständlicherweise ihrem Erhaltungszustand sehr zugesetzt hat. Liebe
Bürgermeister diese Akten sind wichtig für die Geschichte Ihres Ortes; ohne
sie kann über das Leben der "Altvorderen" nicht berichtet
werden.
Meine Bitte vom letzten Jahr an alle Bürgermeister und an alle
Fraktionsvorsitzenden, der im Verbandsgemeinderat vertretenen Fraktionen,
die alten Akten so zu lagern, dass Sie erhalten bleiben und so sortieren zu
lassen, dass damit gearbeitet werden kann, hat bisher nicht gefruchtet.
Es tut mir leid, das so öffentlich sagen zu müssen: Sicherlich kann sich ein
zeitlicher Verbandsbürgermeister mit Entscheidungen in aktuellen Fragen mehr
"Publicity" erwerben, als mit der Organisation eines Archivs. Aber,
und Gott sei Dank, denken und handeln die meisten Verwaltungen
verantwortungsbewusster als das unsere verantwortliche Behörde bis jetzt getan
hat und offenbar gewillt ist weiter zu tun.
Bei Herrn Ortsbürgermeister, Reiner Weber, von Urmersbach bedanke ich mich recht herzlich, dass er mir das Beschlussbuch und die Schulchronik bereitwillig zur Verfügung gestellt hat und mir bei meinen Recherchen in jeder Weise gerne behilflich war.
Copyright © by Werner Schumacher, Kaisersesch 2000